Erklärungen und Berichte der Gemeinderatsfraktion
Hier finden Sie eine aktuelle Erklärung der Fraktion CDU/Bürgerliste.
Haushaltsrede des
Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktion CDU/Bürgerliste Karl Heinz
Neser
Herr
Bürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen
und Herren!
Wenn man in diesen Wochen die Berichte zur
Haushaltssituation von Bund, Land und Gemeinden liest, kommt man
nicht an der Feststellung vorbei, dass trotz wieder leicht
anziehender Konjunktur die Finanz- und Wirtschaftskrise in den
öffentlichen Haushalten auf allen Ebenen angekommen ist. Die
Steuereinnahmen sind zunächst einmal „eingebrochen“ und es wird
Jahre dauern, bis sie wieder das Niveau von 2008 erreicht haben. Die
„fetten Jahre“ sind also zunächst einmal vorbei und darauf müssen
sich Bürger wie Gemeinden einrichten. In vielen Gemeinden wurden
zwischenzeitlich die Gemeindesteuern und – gebühren erhöht, werden
Sparprogramme gefahren. Wie ist die Situation unserer Gemeinde und
wie gehen wir damit um? – das ist die Frage, die sich auch die
Bürger unserer Gemeinde stellen.
Zunächst einmal gilt, dass unsere Gemeinde nach
wie vor finanziell gut aufgestellt ist, aber die Finanz- und
Wirtschaftskrise ist auch bei uns spürbar: so liegt die
Gewerbesteuer mit erhofften 1,8 Mill. € deutlich unter früheren
Zahlen, aber damit liegen wir noch immer besser als manch andere
Gemeinde im Landkreis; Haßmersheim rechnet nur mit 0,3 Mio. Trotz
Rückgangs der Gewerbesteuer können wir froh sein, dass uns die
Verlagerung von EnBW-Gesellschaften nach Obrigheim eine gewisse
finanzielle Grundbasis sichert. Ich will das nochmals ausdrücklich
betonen, nicht nur weil es für die neuen Gemeinderäte die erste
Haushaltsberatung ist, sondern weil dieser Fakt bislang in der
Bewertung der Obrigheimer Kommunalpolitik etwas untergegangen ist.
So etwas kommt nicht von oben oder zufällig zustande, sondern
ist das Ergebnis erfolgreicher Verhandlungen und wirkt auch
in der Zukunft.
Der Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer
liegt mit 1,6 Mill. € noch einmal 0,2 Mill. unter dem Ansatz des
Vorjahres und eine halbe Million unter dem des „Boomjahres“ 2008;
die Zahlen sind ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Entwicklung mit
einem Rückgang der Lohn- und Einkommenssteuer. Von großen
Steuerausfällen für das Land wurde diese Woche berichtet; wir wollen
hoffen, dass sich der Ansatz im Haushalt halten lässt. Ein Rückgang
auch bei der Investitionspauschale. Diese negative Entwicklung wird
uns auch die kommenden Jahre begleiten.
Dagegen sind hohe Zahlungen
auf Grund der guten Gewerbesteuersituation 2008, wo die
Gemeinde wieder im Abstand steuerstärkste Gemeinde im Landkreis war,
an das Land mit der FAG-Umlage von 3,5 Mill. und an den Kreis
mit einer Kreisumlage von 3,8 Mill. zu leisten. Die Sozialkosten
werden bei steigender Arbeitslosigkeit weiter zunehmen, was eine
höhere Kreisumlage bedeutet. Man sieht schon an diesen Zahlen, dass
die Rücklage weiter schmilzt – und da ist es so wie mit dem Schnee –
wenn er mehrmals schmilzt, bleibt immer weniger übrig. Auf Grund der
guten Ausgangsdaten und einer noch im Vergleich mit anderen
Gemeinden guten Gewerbesteuer können wir sagen, dass wir aus der
Finanz- und Wirtschaftskrise bislang „mit einem blauen Auge“ davon
gekommen sind. Deshalb brauchen wir auch an den Gemeindesteuern
nicht zu drehen, wohl aber müssen wir immer die Gebühren im Blick
halten, ob sie auskömmlich sind.
Für die Zukunft gilt, dass wir die Ausgaben
verstärkt an den Einnahmen ausrichten müssen. Da in der Verwaltung
schon mehrere Sparaktionen – ich nenne nur die Kosteneinsparungen
bei den Wartungsverträgen, bei der Reinigung, den Personalkosten,
der EDV-Betreuung und beim Lehrschwimmbecken - gelaufen sind und wir
beim Personal nicht
weiter herunterfahren können, bleiben im wesentlichen nur die
Investitionen: Hier müssen wir die Notwendigkeit und zeitliche
Abfolge prüfen; nicht alles kann immer gleich umgesetzt werden!
Ein Schwerpunkt ist in diesem Jahr die
Fortführung der energetischen Sanierung von Rathaus und Realschule
mit insgesamt 2,2 Mill €. Durch das Konjunkturprogramm des Bundes
werden wir in die Lage versetzt, Sanierungsmaßnahmen, die nach bald
40 Jahren fällig werden, günstig zu finanzieren mit dem Nebeneffekt,
langfristig auch Energiekosten einzusparen und bei den Schulen eine
neuwertige Ausstattung zu haben. Damit entlasten wir künftige
Haushalte. Die Wirtschaftlichkeit dieser Maßnahmen ist durch den
hohen Zuschuss gegeben, das hätten wir nie und nimmer so günstig
bekommen! Da die Planung schnell vorangebracht wurde, konnten wir
früh ausschreiben, wo die Preise noch unten waren. Die Bauverwaltung
war im vergangenen Jahr durch die kurze Antragstellung besonders
gefordert; deshalb auch hier noch einmal der Dank unserer Fraktion.
Mit der Umbaumaßnahme im Rathaus sollen auch
das Vor-, Besprechungs- und Trauzimmer in einen besseren Zustand
versetzt werden. Hellere Farbtöne lösen die etwas bedrückenden
dunklen Töne ab – nach 40 Jahren ist das vertretbar. Es ist sicher
sinnvoll, das Trauzimmer zu erweitern, um den heutigen Bedürfnissen
bei einer Trauung besser entsprechen zu können. Unsere Fraktion
trägt die zusätzlichen Kosten von 15.000 € für die Erweiterung mit.
Sinnvoll ist auch die Planungsrate für die
Fortführung der energetischen Sanierung der Realschule. Ich muss
zunächst einmal wissen, was alles gemacht werden muss und wie es
sich rechnet. Wann und in welchem Umfang wir das dann ohne
Bundeszuschuss und vielleicht mit Landeszuschüssen machen, müssen
wir dann später klären. Aber die Vorbereitungen müssen jetzt gemacht
werden.
Ein Schwerpunkt ist auch wieder die
Sanierungsmaßnahme „alter Ortskern III“ (290.000 €), wozu die
Sanierung des Plattenbelags der Hochzone gehört; wir hoffen, dass
dem Aufstockungsantrag stattgegeben wird, um den Deichelweg und
evtl. weitere Maßnahmen angehen zu können. In der Pfaffenklinge wird
der Gehweg erneuert. Ein großer Betrag ist mit 440.000 € für die
Kanalsanierung vorgesehen. Planungskosten sind für den Ausbau des
Münchbergwegs sowie der Mühlgasse/Pappelwegs sowie der Erschließung
der „Großen Gärten“ vorgesehen. Die letzten Baugebiete in Obrigheim
wurden gut angenommen, weshalb das Baugebiet „Liebold“ angegangen
werden soll; zusätzliche Einwohner federn den bevorstehenden
demographischen Wandel ab. Dies ist für die Auslastung der
Infrastruktur in unserer Gemeinde wichtig. Bei der
Breitbandversorgung für den Ortsteil Mörtelstein hat die Gemeinde
früh ihre Hausaufgaben gemacht; wenn Sie die Berichte von anderen
Gemeinden lesen, denn sind diese heute noch nicht so weit, wie wir
schon im letzten Jahr. Deshalb war auch das letztjährige „Theater“
völlig überflüssig. Es liegt nun an der Telekom, die Arbeiten
auszuführen.
Für die Ausbesserung und Erneuerung von Straßen
sind 135.000 € eingeplant, sie werden vermutlich nach dem harten
Winter genau so wenig reichen wie Mittel für den Winterdienst. Hier
hat sich auch das 2. Salzsilo als vorteilhaft bewiesen, das damals
gegen die Stimmen der Freien Wähler beschlossen wurde; bei den
diesjährigen Beschaffungsproblemen mit dem Salz hat es uns
unabhängiger gemacht. Bei dieser Gelegenheit auch ein Dank an die
Männer vom Winterdienst; es hat sich auch gezeigt, dass er im
Vergleich zu anderen Gemeinden bei uns sehr gut organisiert ist.
Ein Dank auch an die Asbacher
Feuerwehrkameraden für das große Engagement beim Neubau der
Fahrzeughalle; das neue LF 10/6 wird demnächst übergeben.
„Eine Investition in Wissen bringt noch immer
die besten Zinsen“, sagte schon Benjamin Franklin vor über 200
Jahren. Deshalb sind uns schon immer die Schulen und Kindergärten
wichtig gewesen. Die Realschule ist hervorragend ausgestattet, hat
über die eigene Gemeinde hinaus einen guten Ruf und ist mit über 800
Schülern an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Bei der Hauptschule
haben sich erfreulicherweise die Schülerzahlen stabilisiert, während
sie in der Grundschule weiter zurückgehen. Es ist unser Ziel, den
Standort der neuen Werkrealschule hier zu halten, zumal unsere
Hauptschule - wenn auch knapp – im Vergleich der Nachbargemeinden
die meisten Schüler hat.
Für den Kleinkindbereich ist noch ein Konzept
zu erarbeiten. Positiv stehen wir der zusätzlichen Sprachförderung
beim Übergang Kindergarten-Grundschule gegenüber; sie würde uns in
der Integration von Migrantenkindern voranbringen. Denn das
Beherrschen der deutschen Sprache ist der Schlüssel für Bildung und
berufliche Qualifikation. Gespräche mit der Musikschule und - wie
von unserer Fraktion angeregt - mit der Lidl-und-Schwarz-Stiftung
sind geführt. Wir hoffen, dass das Projekt mit dem neuen Schuljahr
gestartet wird.
Bei der neuen Gymnastikhalle haben wir eine
gute Nutzung durch Schule und Vereine und eine deutliche Ersparnis
gegenüber dem Betrieb des Lehrschwimmbeckens. Wie versprochen
gewährt die Gemeinde einen Zuschuss zum Schwimmkurs, der von 37
Kindern wahrgenommen wurde. Der Schwimmunterricht der Schule findet
nun im modernen Lehrschwimmbecken in Aglasterhausen statt – eine
sinnvolle Kooperation.
Im Bereich der Schulen sind Planungskosten für
den Ersatz der Schulküche in der Realschule eingestellt, die nun
fast 40 Jahre alt ist; ebenso für einen Neubau des Werkraumgebäudes
der Hauptschule (ehem. HJ-Heim). Wie wir gehört haben, kann der
Lehrplan Technik nicht voll umgesetzt werden, weil u.a.
CNC-Maschinen etc. fehlen und im Raum auch nicht mehr unterzubringen
sind; der Raum entspricht auch nicht den Sicherheitsvorschriften.
Ich denke, es muss uns sehr daran gelegen sein, beide Schulen gut
auszustatten.
Und da die Entscheidung über den Standort der
künftigen neuen Werkrealschule noch nicht getroffen ist, ist es m.E.
ein absolutes Muss, die notwendige Ausstattung zu haben, wenn wir
den Hauptschulstandort Obrigheim sichern wollen. Den Beschluss zur
Baumaßnahme sollten wir aber erst treffen, wenn die Standortfrage
geklärt ist. Die Planungskosten sind aber in diesem Jahr
einzustellen.
Erfreulicherweise läuft das
Biomasseheizkraftwerk gut und legte nun die AWN ein Gutachten zur
Fernwärmenutzung vor. Kern ist der Aufbau eines Nahwärmenetzes,
woran die Kläranlage, Neckarhalle, die beiden Schulen, das Rathaus
und Vereinshaus gffs. auch die Kirchen sowie Private angeschlossen
werden könnten; KWO selbst ist schon angeschlossen. Die Gespräche
sind jetzt zu vertiefen, damit das Projekt umgesetzt werden kann,
wobei die Wirtschaftlichkeit für beide Seiten gegeben sein muss.
Auch die angrenzenden Hauseigentümer sind miteinzubeziehen; abhängig
vom Planungsstand wollen wir hier
eine Informationsveranstaltung anregen. Mittel für die
Beteiligung an einer Wärmegesellschaft sind im Haushalt eingestellt.
Bei all dem geht es auch um regionale Wertschöpfung , die wir im
Blick haben.
Auf der Agenda steht auch, wie wir es mit dem
Stromnetz halten, nachdem der Konzessionsvertrag zum Jahresende
ausläuft . Dass damit auch Geld verdient wird, ist in der bisherigen
Diskussion hoffentlich deutlich geworden und wenn das auch die
Gemeinde verdienen kann, ist das zu prüfen. Deshalb sollten wir das
Gutachten abwarten und offen an das Thema herangehen – und nicht
vorher ohne Informationen schon immer alles besser wissen.
Es sind also spannende und wichtige Themen, die
vor uns stehen. Da sollten wir nicht immer wichtige Zeit verlieren
für Nebensächlichkeiten und Befindlichkeiten, die immer wieder von
einzelnen Gemeinderäten der Freien Wähler vorgebracht werden. Wir
sind gewählt, unsere Gemeinde voranzubringen und nicht Sand ins
Getriebe der Verwaltung zu schütten. Und die wichtigste Aufgabe
eines Gemeinderats ist es nicht, sich in Fingerhakeleien mit dem
Bürgermeister zu üben. Das kostet nur Zeit und Nerven, die man
anderer Stelle besser einsetzen könnte!
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